Ein leergeräumter Praxisraum hat eine eigene Akustik. Jeder Schritt hallt ein wenig, als wollte der Raum noch einmal nachklingen lassen, was hier über die Jahre gesprochen wurde. Draussen steht ein Kleinbus, vollgepackt mit dem Material, das nach Wien mitkommt. Und dann ein an sich unscheinbarer Moment: die Schlüsselabgabe. Ein kleines Stück Metall wechselt die Hand – und erst da dringt es ganz ins Bewusstsein: Ein Abschnitt meines Berufslebens geht zu Ende. Nach über drei Jahrzehnten gebe ich den schönen Praxisraum an der Mühlegasse in Zürich auf. Für Beratungen bin ich künftig noch zwei- bis viermal pro Jahr vor Ort statt wie bisher zehn- bis zwölfmal.

Solche Abschlüsse laden zur Rückschau ein.

Meinen ersten Kurs zum Thema «Lebensziel, Berufung und Beruf» habe ich 1991 gehalten – in einer Arbeitswelt, in der es noch kein Internet gab. Der Artikel, den ich damals dazu verfasste, erschien in «Alpha», der Kaderbeilage des Tages-Anzeigers, und etwas später in der Karriere-Beilage des Standards. Was mir damals gar nicht auffiel: wie neu und unbekannt diese prozessorientierte Form der Beratung eigentlich war. Ich steckte mitten in der Ausbildung in Prozessorientierter Psychologie, unterwegs in einem extrem innovativen Umfeld – und hielt für selbstverständlich, was im Mainstream erst Jahre später ankommen sollte.

Dann kam das Netz. 1997 ging meine erste Webseite online, unter der Adresse fairwork.com. Die Domain gehört mir bis heute – genutzt habe ich sie irgendwann nicht mehr, aus einem kuriosen Grund: In Australien entstand ein Arbeitsgesetz namens «Fair Work Act», und plötzlich kamen über 80 Prozent der Besucher von der anderen Seite des Globus, auf der Suche nach Paragraphen statt nach Beratung. Mit dem Internet veränderte sich die Arbeitswelt dramatisch: Kreativarbeit wanderte in offene Netzwerke, das Outsourcing ganzer Berufsfelder begann, und es entstand die Subkultur der digitalen Nomaden – zu der ich mich eine Weile selbst zählte.

Heute stecken wir mitten in der zweiten grossen Zäsur: der Entwicklung der künstlichen Intelligenz. Und anders als beim Internet, dessen Folgen wir rückblickend einordnen können, haben wir diese Umwälzung noch nicht wirklich verstanden – wir erleben sie gerade erst.

Was mich bei dieser Rückschau überrascht hat: Durch alle Zäsuren hindurch zieht sich dieselbe Frage. Wie navigieren Menschen in einer Arbeitswelt, die sich schneller verändert als die Bilder, die wir uns von ihr machen? 1991 ohne Internet, 2000 in offenen Netzwerken, 2026 im Zeitalter der Sprachmodelle – die Werkzeuge wechseln, die Frage bleibt. In einer Keynote habe ich das vor zwanzig Jahren einmal in eine einfache Formel gefasst: Zukunft = Gegenwart + Hoffnungen − Befürchtungen. Sie gilt, wie mir scheint, unverändert.

Und weil das Ende eines Abschnittes immer auch der Beginn eines neuen ist: Mein Schwerpunkt verlagert sich noch stärker nach Wien, wo ich vorwiegend als Supervisor tätig bin. Dazu kommen Seminare für soziale Organisationen und der WORKNAVIGATOR mit Schulungen und Infoveranstaltungen rund um dieses Tool. Und Zürich? Bleibt Teil meines Lebens – nur eben in einem anderen Rhythmus.

Herzliche Grüsse
Thomas Diener

Inhalt

  • Was sich ändert – und was bleibt: Beratungen in Zürich, Wien und online
  • Neuer Schwerpunkt Wien: Supervision für Einzelpersonen und Teams
  • Seminare: Drei Angebote für soziale Organisationen
  • Der WORKNAVIGATOR für Coaches: Nächste Termine
  • Aus dem Archiv: Drei Texte aus drei Jahrzehnten

Was sich ändert – und was bleibt

Die eigene Praxis in Zürich gibt es nicht mehr – die Beratung schon. Konkret heisst das:

  • Vor Ort in Zürich: 2–4 Beratungsfenster pro Jahr, neu in der Praxis einer befreundeten Laufbahnberaterin an der Weinbergstrasse. Am 4. September sind am Nachmittag noch Termine frei – weitere Slots stehen auf meiner Homepage.
  • Online: Laufbahnberatung und Coaching finden wie bisher jederzeit per Video statt – daran ändert sich nichts.
  • In Wien: Beratung, Supervision und Jobcoaching wie gewohnt.

Wer eine Beratung in Zürich plant, meldet sich am besten frühzeitig – die Vor-Ort-Fenster sind erfahrungsgemäss schnell ausgebucht.

Kontakt aufnehmen

Neuer Schwerpunkt Wien: Supervision

Was mich an der Arbeit als Supervisor fasziniert, ist die Vielseitigkeit. Jedes Team, jede Person und jede Fragestellung ist anders und verdient eine eigene Zugangsweise. Im Spannungsfeld zwischen Persönlichkeit, Teamdynamik und Arbeitsauftrag können sich Ansätze aus der Tiefenpsychologie, der Gruppendynamik, der Organisationsentwicklung und der Soziologie gegenseitig befruchten – oder sich bei der falschen Wahl der «Flughöhe» auch behindern.

Diese Methodenvielfalt kommt vor allem dann zum Tragen, wenn ich mit neugierigen Menschen arbeiten darf, die es mit einer herausfordernden Klientel zu tun haben.

Mehr zur Supervision

Seminare: Drei Angebote für soziale Organisationen

Zukünftig möchte ich wieder stärker als Kursleiter in ganz Europa unterwegs sein. Folgende Workshops liegen mir besonders am Herzen: Hier kommen 35 Jahre Praxiserfahrung und ein prall gefüllter Methodenkoffer voll zum Einsatz. Drei Inhouse-Seminare stehen für Teams in sozialen Organisationen bereit – für Jugendcoaches, Sozialpädagog*innen, Berufsberater*innen und alle, die beraterisch arbeiten:

  • Spielerische und kreative Methoden in der Beratung – Ein Repertoire, das Beratungsprozesse lebendig macht. Ganz im Sinne Schillers: Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.
  • Berufsnavigation mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen – Wie junge Menschen herausfinden, was sie wirklich, wirklich wollen.
  • Coaching für die Praxis – Haltungen und Methoden für den Beratungsalltag, ausgehend von konkreten Situationen.

Diese drei sind Beispiele aus dem Baukasten, nicht die ganze Werkzeugkiste. Gerne konzipiere ich Schulungen auch massgeschneidert – zugeschnitten auf eine bestimmte Zielgruppe und ein spezifisches Thema.

Zu den Inhouse-Seminaren

Oder auf Einladung auch gerne mit Seminaren zum Thema Berufs- und Lebensnavigation

Der WORKNAVIGATOR für Coaches: Nächste Termine

Der dreistündige Abendworkshop Einführung in den Worknavigator für Coaches und Berater*innen kann direkt im Webshop gebucht werden. Inbegriffen sind das PDF-Workbook «Der Lifedesign-Workshop zur Berufsnavigation», das Lesebuch «Die Alchemie der Berufsnavigation» und ein Zugang zur Silber-Version des WORKNAVIGATORS.

Der nächste Workshop findet bereits am 10. September statt – es sind noch Plätze frei. Das Feedback einer Teilnehmerin:

„Thomas kombiniert praktische Tools mit seinen eigenen Erfahrungen auf der Suche nach einem erfüllenden Beruf – und das auf einem Niveau, das selbst erfahrene Coaches herausfordert.“

Jetzt buchen

Aus dem Archiv: Drei Texte aus drei Jahrzehnten

Wer nach dem Editorial Lust auf die Zeitreise bekommen hat – drei Texte, die die drei Etappen markieren:


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