Radikal pragmatische Karriereplanung

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Radikal pragmatische Karriereplanung

 Stellensuchende zwischen Pragmatische Carriereplanungnaiver Selbstverwirklichung und angstvoller Anpassung

Der Arbeitsmarkt ist nicht nur in den Medien ein wichtiges Thema. Wer von einem Stellenwechsel betroffen ist, oder sich aus freien Stücken beruflich neu orientieren will, stößt auf eine uferlose Menge an Artikeln, Ratgeberliteratur und Beratungsangeboten.

Dennoch lassen sich die meisten Angebote auf eine von zwei Erzählungen zurückführen. Die erste Erzählung würde ich „Die konkurrenz-orientierte“ nennen. Es werden Fakten zum Arbeitsmarkt vermittelt und Tipps gegeben, wie man sich richtig verhalten soll, um erfolgreich im Konkurrenzkampf mit anderen Bewerbern zu bestehen. Ein guter Name für die zweite Erzählung könnte „die selbstbezogene“ sein. Hier wird die Kraft der eigenen Wünsche beschworen. Die Vorstellung durch Eigeninitiative jeden Traum umsetzen zu können ist natürlich naiv und wird umso esoterischer, je heftiger sie vertreten wird.

Jede Erzählung spricht einen bestimmten Menschentyp an und oft kämpfen die beiden Sichtweisen auch in einer Person mit wechselndem Erfolg um die Deutungshoheit. Beide Erzählungen können in bestimmten Situationen unproduktiv oder sogar gefährlich werden. Die „konkurrenz-orientierte“ ist extrem entmutigend für diejenigen, die sogenannten „Risikogruppen“ angehören, also das falsche Alter, das falsche Geschlecht, die falsche Herkunft oder die falsche Ausbildung haben. Schnell wird dann eine statistische Wahrheit zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Die „selbstbezogene“ dagegen, kann Menschen in einen Kreislauf führen, in dem sie sich mehr und mehr selber überschätzen. Er ist von immer größeren Wünschen mit immer geringerer Möglichkeit sie umzusetzen geprägt.

Beide Erzählungen bergen auch ein Potential und gerade in ihrer Kombination liegt viel Kraft. Obwohl sie in der Literatur und in den Beratungsangeboten als Gegensatzpole aufscheinen, werden sie in der Praxis von vielen erfahrenen und erfolgreichen Beraterinnen und Beratern kombiniert. Die Synthese der beiden Sichtweisen würde ich als „radikalen Pragmatismus“ bezeichnen. Man erkennt ihn daran, dass tatsächlich zuerst von den ganz eigenen Werten, Vorstellungen, Bedürfnissen und Qualitäten ausgegangen wird. Erst in einem zweiten Schritt wird das entstandene Profil auf kreative Weise mit der vielfältigen Arbeitswelt verknüpft. Dabei finden sich oft Möglichkeiten und werden Nischen herausgearbeitet, die sonst übersehen wurden wären. Bei diesem Prozess muss weder die Arbeitswelt, noch die eigene Begabung schöngeredet werden.

By | 2019-08-26T14:52:19+01:00 Oktober 17th, 2016|Laufbahnberatung, Pressetexte|1 Comment

About the Author:

Thomas Diener ist Coach, Supervisor (ÖVS) und Laufbahnberater in Zürich und Wien mit über 20 Jahren Beratungserfahrung. Sein Kernthema ist die (co-kreative) Gestaltung von Zukunft. Folgerichtig ist er auch als Moderator von Zukunftswerkstätten, Future – Search – Konferenzen, Strategieworkshops in der Schweiz, Deutschland und Österreich sowie als Social Entrepreneur tätig. 1995 gewann er den Förderpreis für innovative Ideen im Sozialbereich der Stadt Zürich und mehrere Preise mit Projekten gegen die Arbeitslosigkeit. Speziell für die individuelle Zielfindung entwickelte er den Methodenmix „Berufs- und Lebensnavigation“ den er seit über acht Jahren in verschiedenen Ländern und Hochschulen unterrichtet. Publikationen: * 2010 “Berufs- und Lebensnavigation – Individuelle Zugänge zur Arbeitswelt” Im Sammelband „Zukunftsfeld Bildungs- und Berufsberatung: Neue Entwicklungen aus Wissenschaft und Praxis“, Verlag Bertelsmann * 2016 Thomas Diener: Tu, was du wirklich, wirklich willst – Die Alchemie der Berufsnavigation. Verlag tredition * 2016 Thomas Diener: Tu, was du wirklich, wirklich willst – Der Lifedesign – Workshop zur Berufsnavigation. Verlag tredition

One Comment

  1. Christine Jung 18. Oktober 2016 at 8:42 - Reply

    Lieber Thomas, die Formulierung finde ich wunderbar: Radikaler Pragmatismus. Und wie Du schreibst: es geht nicht alles, aber es geht so viel mehr, wie man denkt. Danke!

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