Arbeiten in offenen Netzwerken

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Arbeiten in offenen Netzwerken

Unkonventionelle Arbeitsverhältnisse haben Vor- und Nachteile. Vor allem aber folgen sie anderen Regeln. Diese sollte man kennen.

Wichtige Begriffe wie SICHERHEIT, KARRIERE, und AUSBILDUNG verändern sich zusammen mit der Arbeitsweise von immer mehr Menschen. Das birgt Chancen und Risiken.

Seit über sieben Jahren ist meine Basis in Wien der CoWorking-Space Rochuspark. Rund fünfzig Menschen arbeiten hier meist in der Form von Ein-Personen-Unternehmen in einer entspannten und kooperativen Weise. An der Geschwindigkeit, in dem sich solche Plätze weltweit ausbreiten, lässt sich nachvollziehen, wie sich das Wesen der Arbeit verändert.

Als Laufbahnberater beobachte ich diesen Trend schon seit über 20 Jahren. 1998 habe ich dazu einen Text geschrieben, der die neu gewonnen Freiheiten dieser Arbeitsweise betont. Der Preis den diese meist kreativ arbeitenden für diese Freiheit bezahlen, war mir natürlich auch schon bewusst. Eine bessere soziale Absicherung dieser Arbeitsweise wäre aus meiner Sicht tatsächlich überfällig.

Viele der Thesen, die ich damals formulierte, haben nichts von ihrer Gültigkeit verloren. Daher publiziere ich den Text hier neu:

Immer häufiger formulieren Menschen in Laufbahnberatungen folgende berufliche Wünsche:

  • Ich will nicht einfach auf Anweisung anderer arbeiten, sondern meine eigene Kreativität einbringen können.
  • Ich möchte selber darüber bestimmen, wie ich eine Arbeit organisiere.
  • Ich brauche eine Art von Selbständigkeit und Unabhängigkeit, um mich in der Arbeit wohl zu fühlen.
  • Ich möchte nicht mein Leben lang das Gleiche tun, sondern in und mit meiner Arbeit wachsen.
  • Ich habe im Privaten eine gute Lebensqualität und möchte diese auch während der Arbeit verwirklichen.
  • Ich arbeite gerne mit anderen Menschen zusammen, möchte jedoch einen Bereich haben, in dem ich ganz alleine entscheide.

Diese Menschen machen sich oft selbständig. Sie nehmen jedoch meist kein Kapital auf, erstellen keinen Buseinessplan und sie engagieren keine Mitarbeiter.

Wichtige Regeln des klassischen Unternehmertums werden einfach ignoriert und trotzdem: Viele dieser Menschen sind erfolgreich.

Es scheint sich hier eine neue und attraktive Form der Arbeit herauszubilden, die ihre ganz eigenen Risiken und Chancen birgt: Das Arbeiten in Netzwerken. Damit meine ich das Arbeiten in wechselnden Projekten, in flexiblen Gruppen und mit unterschiedlichen Kunden oder AuftraggeberInnen. Das Arbeiten eingebettet in ein wachsendes Beziehungsnetz, das auf Vertrauen, Freundschaft und Kooperation ausgerichtet ist.

Wem bei dieser Beschreibung der Atem stockt, ist wahrscheinlich nicht geschaffen für diese Arbeitsweise. Daher ist es wichtig, dass auch die konventionellen Formen der Arbeit erhalten bleiben. Freiheit ist eine wichtige Quelle von Motivation, und Wahlmöglichkeit ein unverzichtbarer Bestandteil von Freiheit.

Manchmal scheitern auch diejenigen, denen das Arbeiten in Netzwerken eigentlich liegt. Oft fehlt es am Wissen um die speziellen Gesetzmäßigkeiten in diesem neuen Feld und an Erfahrung. Es gibt keine Schule, in der diese neue Art des Arbeitens gelernt werden kann; es gibt jedoch bestimmte Faktoren die helfen, erfolgreich in diesen bewegten Gewässern zu navigieren.

Erste Anhaltspunkte erhalten wir, wenn wir anschauen, wie grundlegend sich die beiden Arbeitsformen unterscheiden. Es sind zwei total verschiedene Lebensformen in denen viele menschliche Grundbedürfnisse ganz anders befriedigt werden. Alte Begriffe bekommen dabei eine neue Bedeutung:

Sicherheit

Traditionell entsteht sie aus Arbeitsverträgen, Kündigungsfristen, Pensionsplänen der Arbeitslosenversicherung und anderen Institutionen, die im Laufe der langen Arbeiterkämpfe entstanden sind. Beim Arbeiten in offenen Netzwerken hat sie mit der Dichte des Netzwerkes, der Freude an der Arbeit, dem angepassten Lebensstil, dem richtigen Marketing, der Konfliktfähigkeit, dem Wissen um die eigenen Stärken, der inneren Arbeit und dem Vertrauen in die Welt zu tun.

 Karriereplanung

Heißt in traditionellen Angestelltenverhältnissen vor allem Machtspiele zu durchschauen und zu nutzen, in der Organisation geschickt zu politisieren, Schritte frühzeitig zu planen, Erwartungen der Vorgesetzten richtig einzuschätzen und zu erfüllen sowie die richtigen Papiere zu erwerben. Beim Arbeiten in offenen Netzwerken ist das lebenslange Lernen, die Fähigkeit den eigenen Interesse nachzugehen, die Konfliktfähigkeit, sowie die Klugheit eigene Schwächen zu kompensieren viel wichtiger.

Arbeit

Definiert sich im Angestelltenverhältnis durch die Anwesenheit am Arbeitsplatz dem abarbeiten von Vorgaben und anderen formalen Faktoren. Kleinselbständige hingegen gehen der eigenen Energie nach und achten darauf, dem den richtigen Moment für Aktivitäten zu packen.

Vernetztes Denken

Wer den Links in den letzten drei Abschnitten folgt begibt sich in ein Labyrinth von Gedanken rund um diese neue Arbeitsweise. Wer’s lieber Linear hat, kann den ganzen Artikel hier kostenlos downloaden (PDF 18 Seiten).

By | 2018-01-20T12:04:03+00:00 Januar 18th, 2018|Arbeiten in offenen Netzwerken, Arbeitswelt, Coaching, NEWS|0 Comments

About the Author:

Thomas Diener ist Coach, Supervisor (ÖVS) und Laufbahnberater mit über 20 Jahren Beratungserfahrung. Sein Kernthema ist die (co-kreative) Gestaltung von Zukunft. Folgerichtig ist er auch als Moderator von Zukunftswerkstätten, Future – Search – Konferenzen, Strategieworkshops und als Social Entrepreneur tätig. 1995 gewann er den Förderpreis für innovative Ideen im Sozialbereich der Stadt Zürich und mehrere Preise mit Projekten gegen die Arbeitslosigkeit. Speziell für die individuelle Zielfindung entwickelte er den Methodenmix „Berufs- und Lebensnavigation“ den er seit über acht Jahren in verschiedenen Ländern und Hochschulen unterrichtet. Publikationen: * 2010 “Berufs- und Lebensnavigation – Individuelle Zugänge zur Arbeitswelt” Im Sammelband „Zukunftsfeld Bildungs- und Berufsberatung: Neue Entwicklungen aus Wissenschaft und Praxis“, Verlag Bertelsmann * 2016 Thomas Diener: Tu, was du wirklich, wirklich willst – Die Alchemie der Berufsnavigation. Verlag tredition * 2016 Thomas Diener: Tu, was du wirklich, wirklich willst – Der Lifedesign – Workshop zur Berufsnavigation. Verlag tredition

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